Exekutionsmethoden: "Human sind sie alle nicht!"

Was eine Expertin zur Todesstrafe sagt


Gabi Uhl

"Todesstrafe" scheint kein Thema für einen zeitgemäßen Religionsunterricht zu sein. Sie ist in Deutschland schon seit 1948 - gemäß Grundgesetz Artikel 102 - abgeschafft. Dennoch ist dieses Thema weltweit von großer Bedeutung. Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie viele Unschuldige insgesamt exekutiert wurden? Oder wie viele unschuldig verurteilt noch auf ihren Tod warten? Welche Alternativen kann es geben?

Freitag, den 15. Dezember 2006, Gymnasium zu St. Katharinen, Oppenheim:
Zu unserer Schule eingeladen, berichtete Gabi Uhl in einem zweistündigen Vortrag, der in den katholischen Religionsunterricht eingebunden war, von ihren Erfahrungen mit der Todesstrafe.
Ihr Leben wurde grundlegend verändert, als sie durch Briefkontakt und Besuche über eine Freundin den zum Tode verurteilten Cliff Boggess kennen lernte. Als im April 1998, nach einem Besuch im Todestrakt in Huntsville, Texas, ein Fax eintraf, in der ihr mitgeteilt wurde, dass der Hinrichtungstermin feststand, war für sie klar, "seinen Lebensweg begleite ich bis zum Schluss".
Dieses Thema hat sie seitdem nicht mehr losgelassen: "Darf der Staat Gleiches mit Gleichem vergelten?" Der Staat lässt zu, dass Menschen völlig legal getötet werden und widerspricht sich damit in der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens.

Gabi Uhl ist musikalisch aktiv: Ihr aktuelles Album heißt "Alive On Death Row". Auch Benefizkonzerte hat sie in der Vergangenheit vor allem Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International oder ALIVE e.V., in der sie tätig ist, als Veranstalter vorgeschlagen.
Dieses Programm wird unter anderem in Berlin und München aufgeführt. (Der Slogan lautet "Abolition Now!", zu Deutsch "Aufhebung jetzt!") Es geht um die Aufklärung, was die Todesstrafe ist und wie sie wahrgenommen wird. Frau Uhl möchte zum Nachdenken anregen!
Gabi Uhl selbst zu ihren Konzerten: "Ich kann damit nicht unmittelbar dazu beitragen, dass die Todesstrafe abgeschafft wird, aber wenn es ein paar Leute zum Nachdenken anregt oder sogar dazu bringt, sich selber aktiv einzusetzen, dann hat sich meine Arbeit gelohnt!" - Und im Laufe der Zeit hat sie mit dreistelligen Besucherzahlen genau das erreicht.

Wer das meiste Geld hat und sich die besten Anwälte leisten kann, hat größere Chancen freigesprochen zu werden oder eine mildere Strafe zu bekommen. In den USA zählt nicht immer "in dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten. Ein Verhafteter hat sogar seinen Pflichtverteidiger erst drei Tage vor Prozessbeginn zum ersten Mal gesehen. Und: "Im Moment sitzen nur Arme im Todestrakt", so Uhl.
Etwa 33 Prozent aller Exekutionen werden in Texas vollstreckt, wobei nicht selten die Beweise fehlen und nur Indizien auf den Gewalttäter hindeuten.
Aber im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist der Kontinent Amerika mit insgesamt 59 Exekutionen seit 1976 letzter in der Tabelle, der vom Staat legal getöteten Menschen: An erster Stelle steht China mit mehr als 3400, an zweiter Stelle der Iran mir 159 Exekutionen, danach Saudi-Arabien, Irak, Kongo und Vietnam (Stand 2004, Tendenz steigend).
In Saudi-Arabien steht die Todesstrafe schon auf "Hexerei", im Irak auf Prostitution, in anderen Ländern auf Ehebruch oder Homosexualität, die in Deutschland schon seit langer Zeit nicht mehr unter Strafe stehen. Diese Länder töten die Verurteilten nicht mit der in USA am meisten verbreiteten Variante, der Giftinjektion, sondern erschießen, erhängen oder steinigen sie.
Man kann zwar sagen, dass "die Todesspritze am wenigsten qualvoll ist", so Gabi Uhl, "human sind die Methoden jedoch alle nicht!" So ist es also widersinnig, dass die menschliche Intelligenz und Kreativität dazu genutzt wird, Methoden zu entwickeln, menschliches Leben zu beenden!

"Wer im Affekt tötet - und das ist bei den meisten Tötungsdelikten der Fall -, denkt kaum über die Folgen nach", so Gabi Uhl. Statistiken zeigen:
In Deutschland liegt die Rate der Mordopfer bei gerade einmal 1,1 pro 100.000 Einwohner, in den USA bei 5,4 (Amnesty International). In Kanada sieht es ähnlich aus.
Einig sind sich Gegner und Befürworter der Todesstrafe in einem Punkt: Die Gesellschaft muss vor Verbrechern geschützt werden, was man durchaus mit einer strengen Bestrafung erreichen kann.
Selbst die Amerikaner, die zu 72 Prozent für die Todesstrafe sind, verlangen ganz klar eine "sichere" Todesstrafe - unschuldig Verurteilte wie in Illinois oder den erst vor kurzem nach zehn Jahren in der Todeszelle entlassenen Postangestellten Ray Krone aus Arizona darf es nicht geben. (Quelle: Bericht von Britta Bode 20.10.2002) Angemessen erscheint Gabi Uhl und Organisationen wie ALIVE e.V. aber die im wörtlichsten Sinne lebenslange Strafe. Somit haben die Gewalttäter keine Chance, ihre Tat zu wiederholen, der Staat aber erfüllt seine Pflicht, die Bürger zu schützen.

Aber ist eine lebenslängliche Freiheitsstrafe nicht viel zu teuer? Durch die Dauer eines Gerichtsprozesses wegen schwerem Mord, von oft mehr als 12 Jahren, da häufig Widerspruch eingelegt wird, ist eine Exekution aber dreimal teurer, als eine in Texas derzeit 40-jährige "lebenslängliche" Freiheitsstrafe!
Die Gesellschaft trägt oft einen großen Anteil daran, wenn aus einem Menschen ein Verbrecher wird. Boggess hat sein Tun mit diesem Argument niemals entschuldigt.

Man kann der Statistik zufolge sagen, dass von allen ausgesprochenen Todesurteilen nur rund ein Drittel als rechtmäßig bestätigt wurde. Insgesamt 120 Verurteilte wurden in den USA wieder entlassen, die bereits 1 - 21 Jahre im Todestrakt ohne ein richtiges Bett, Elektronik oder jegliche Informationen über die Außenwelt verbracht haben.
Es gibt nicht einen Fall, bei dem man nachweisen konnte, dass eine Person unschuldig getötet wurde. Was gerne als Argument für die Gerechtigkeit des Systems herangezogen wird.
Ein Beispiel: Eine Familie hatte um einen DNA-Test gekämpft, der von der Staatsanwaltschaft aber jahrelang abgelehnt wurde! Selbstverständlich hat das System kein Interesse, nach vollstreckter Exekution, weiter zu recherchieren. Erst unter einem neuen Gouverneur wurde der DNA-Test erlaubt, der die Schuld aber nur bestätigte. Frank Müller in "Streitfall Todesstrafe", Düsseldorf 1998 (S.47) zitiert eine amerikanische Studie, die von mindestens 23 unschuldig hingerichteten Menschen ausgeht. Jedoch haben die Urheber dieser Studie später eingeräumt, keinerlei Beweise für diese Zahl zu haben. (prodeathpenalty.com) Gabi Uhl sagt dazu: "Natürlich ist es nicht verantwortungsbewusst, Zahlen aufzustellen, die man nicht ausreichend belegen kann. Es geht mir nicht darum, Schwerverbrecher zu bemitleiden, oder zu verharmlosen, was diese Menschen getan haben. In meinen Augen bringt die Todesstrafe keinen Nutzen, den man nicht auch mit einer echten lebenslangen Freiheitsstrafe erreichen könnte, sondern erzeugt nur neues Leid."

Deshalb unterstützt Gabi Uhl auch den "Weißen Ring e.V.", der sich für Kriminalitätsopfer und ihre Familien einsetzt, auch öffentlich für die Interessen der Betroffenen und unterstützt Vorbeugungsmaßnahmen.

Gabi Uhl

Wer die Organisation ALIVE e.V. unterstützen möchte - und sei es nur durch eine Unterschrift - oder noch Fragen hat, kann dies gerne über die Homepage, per Email oder telefonisch machen. Auch Gabi Uhl kann persönlich kontaktiert werden und würde sich freuen, vielleicht schon bald in anderen Klassen wieder berichten zu dürfen.
(Informationsbroschüren, Bilder etc. sind erhältlich)

Internet-Empfehlungen:
www.todesstrafe-texas.de
www.todesstrafe.de
www.todesstrafe-usa.de



Kontakt Alive e.V.: Tel.: 02871/ 260 51-5 Fax: 02871/ 260 51-1
Gabi20uhl@aol.com

Text: Constantin Müller

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Letzte Änderung: Mittwoch, den 20. Juni 2007, 12:23 Uhr.