"Sterben ist ein Teil des Lebens"

Willi Schwägerl von der Mainzer Hospizgesellschaft berichtet über Sterbebegleitung am Gymnasium zu St. Katharinen, Oppenheim



"Wir sind, sobald wir geboren werden, auf dem Weg zum Sterben!" so Herr Schwägerls Einführung in das Thema. Betroffenes Schweigen war die erste Reaktion der Schüler über die offen ausgesprochene Wahrheit. In Deutschland hat sich die Hospizidee mehr und mehr verbreitet. Daraus folgt die Aufgabe, menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, wenn medizinische Therapien ausgeschöpft sind. Die Hospizgesellschaft arbeitet nach dem Grundsatz: "Zuhören, Annehmen, Begleiten".


Die Hospizgesellschaft ist eine Organisation, die in der Situation vor dem Sterben Hilfe in verschiedensten Formen für alle Betroffenen bietet. Das heißt, dass auch deren Angehörige Unterstützung bekommen - auch über den Tod hinausgehend.
Es werden Fragen zugelassen, mit denen man sich noch nie zuvor beschäftigt hat, die eine tiefe Angst in sterbenskranken Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen, auslösen: "Wie geht das mit dem Sterben, bin ich auf einmal tot, oder schlafe ich ein? Was kommt nach dem Tod?" Oft wollen die Menschen auch nur ihre Erinnerungen und Erlebnisse mit jemandem teilen, das Gefühl ihre Selbstbestimmung bewahren zu können, oder erzählen, wie sie die Welt sehen.
Dafür stellen sich in Mainz derzeit 50 ausgebildete Hospizhelfer ehrenamtlich zur Verfügung, wodurch bei weitem nicht alle Sterbenden begleitet werden können.
Ziel ist dabei den Menschen die letzen Lebenstage in Ihrer vertrauten Umgebung, also ambulant, zu ermöglichen. Die Helfer unterstützen 4 hauptberufliche Schwestern. Da diese ehrenamtlich arbeiten, sind ihnen gegenüber die betreuten Personen für intensive Gespräche viel offener als gegenüber medizinischem Fachpersonal.

Willi Schwägerl ist einer von ihnen. Nach Lesen eines Zeitungsartikels der AZ ("Sterben ist ein Teil des Lebens") wurde er dazu animiert, Hospizhelfer zu werden und erkennt heute darin eine Berufung.
Er macht an dieser Schule regelmäßig Referentenbesuche, um ganz offen mit jungen Leuten über das Sterben, seine Arbeit und Erfahrungen zu sprechen. Im Normalfall wird in der Schule, genauso wie zu Hause, das Thema "Tod und Sterben" tabuisiert.

Die Möglichkeit, diese existenziellen Themen zu behandeln, macht den Religionsunterricht unersetzbar! Angelika Skorupa, Schülerin am Gymnasium, hat das Defizit in der Gesellschaft erkannt. Durch die von Schwägerl geschilderte Geschichte wurde das besonders einprägsam gezeigt:
"Wieder einmal wurde ich eingeladen zu einer Familie. Ich alleine unterhielt mich mit einem Mann am Sterbebett. Nach einiger Zeit nahm er meine Hand und meinte zu meinem Überraschen: ‚Sagen Sie meiner Frau nicht, dass ich sterben werde! Mir ist das klar, aber sie wird zusammenbrechen.' ", so Willi Schwägerl. "Beim Abschied an der Tür nahm auch die Ehefrau mit ernster Miene meine Hand und sagte: ‚Ich weiß, dass er sterben wird, aber sagen Sie Ihm das bitte nicht. Er wird es nicht verkraften...'."

Schwägerl plädiert dafür, dass mit dem Thema im gesamten Leben offener umgegangen wird. Ihm selbst ist dies möglich durch seinen Glauben, und die Überzeugung nach dem Leben in einen erweiterten Bewusstseinszustand zu kommen. Aus dieser Überzeugung heraus, will er versuchen das Sterben zu akzeptieren, wenn der Tod irgendwann unausweichlich ist. Miguel Pintoferaz erinnerte sich an ein eindrückliches Negativbeispiel: "Ein Mann stellte sich seit Tagen auf einen ruhigen Tod ein. Nach einem akuten Anfall haben Verwandte einen Notarzt alarmiert, der ihn wiederbelebte, während der Fahrt ins Krankenhaus ist er dann verstorben. Statt im Kreise seiner Angehörigen zu bleiben, war er die letzten Minuten alleine im Krankenwagen."

Ein anderer Schüler, Ullrich Löblein, lobte den Stil des Referenten: "Es war kein reiner Vortrag, sondern ein Gespräch, in dem auf jede Frage eingegangen wurde." Ramona Wolf erfuhr etwas Neues über seelsorgerliche Gespräche, nämlich die Grundregel des "aktiven Zuhörens". Das vermissen gerade alte Menschen mit vielen Erinnerungen.

"Wie werden Sie mit der Trauer fertig, wenn 'Ihre Patienten' gestorben sind?" Das interessierte die Schüler. Es hilft Schwägerl, dass er als ehrenamtlich Tätiger über die Länge von Auszeiten selbst entscheiden kann. Darüber hinaus besucht er regelmäßig Supervisionskurse.
"Ich fand es sehr beeindruckend, wie offen er mit diesem Thema 'Sterben' umgeht", sagt Christoph Rech zu dem Vortrag. Marian Frisch, ebenfalls Schüler: "Ich persönlich weiß jetzt besser mit diesem Thema umzugehen." Er weiß jetzt, an wen er sich wenden kann, wenn das Thema akut wird.

Der Religionslehrer Hörl zieht Bilanz: "Erschreckend: Bei einer Umfrage von Studenten haben sich 74% für die aktive Sterbehilfe geäußert. In dem Referat wird ein Hauptziel der Unterrichtseinheit bestätigt und veranschaulicht, nämlich dass die Forderung nach aktiver Euthanasie oft verstummt, wo als Alternative Sterbebegleitung geleistet wird."

Da diese Dienstleistung kostenlos in Anspruch genommen werden kann, ist die Mainzer Hospizgesellschaft auf Spenden angewiesen.


Adresse:
Mainzer Hospizgesellschaft Christophorus e.V.
Gaustraße 28
55116 Mainz
Tel.: 06131-235531
Fax: 06131-235535
Email: kontakt@mainzer-hospiz.de

Spenden an:
Mainzer Hospizgesellschaft
Mainzer Volksbank BLZ: 551 900 00, Konto-Nr. 305 974 016

Text: Constantin Müller

<< Zurück

Bei Fragen oder Problemen schreiben Sie bitte an:
schule@gym-oppenheim.de


Copyright 1999-2007 - Homepage-AG Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim.
Letzte Änderung: Mittwoch, den 20. Juni 2007, 12:23 Uhr.